Verdi fordert: Mehr Pflegepersonal für die Kliniken

Heilbronn  Mehr Pflegekräfte in den Kliniken fordert die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für die 15 Krankenhaus-Standorte in ihrem Bezirk Heilbronn-Neckar-Franken. Auch das Personal geht auf die Barrikaden: SLK-Mitarbeiter berichten der Stimme von Überlastung, Stress- und Burn-out-Symptomen.

Von Iris Baars-Werner

Die Gewerkschaft Verdi fordert einen gesetzlich festgeschriebenen Personalschlüssel in den Kliniken. Symbolfoto: dpa

Verdi-Gewerkschaftssekretär Arne Gailing spricht von „grenzwertigen“ Bedingungen, unter denen das Pflegepersonal arbeite. Der Fachkräftemangel löse einen Pflegenotstand aus, ist Verdi überzeugt  „und viele Geschäftsführungen sitzen das Problem aus“. Deshalb fordert die Gewerkschaft einen gesetzlich festgeschriebenen Personalschlüssel – also eine feste Zahl, wie viele Patienten auf eine Pflegekraft kommen dürfen. 

„Unsere Forderung ist mehr Personal, auch auf die Gefahr hin, dass eine Klinik rote Zahlen schreibt.“ Das Land müsse seine Krankenhausfinanzierung neu aufstellen. Da die Landesregierung eine zu niedrige Quote der notwendigen Investitionen in Kliniken finanziere, müssten die Krankenhäuser diese aus dem laufenden Betrieb finanzieren, und da die Personalkosten 70 Prozent der Budgets ausmachten, werde das Einsparpotenzial über das Personal hereingeholt. „Das wird auf dem Rücken der Pflegekräfte und der Patienten ausgetragen.“

SLK-Mitarbeiter sprechen von „Unverschämtheit“ ihrer Klinik-Leitung

Nicht nur die Gewerkschaft, auch das Personal wehrt sich. Als „Unverschämtheit“ und „einen Schlag ins Gesicht“, als „Frechheit“ bezeichnen viele Pflegekräfte der Heilbronner SLK-Klinik am Gesundbrunnen gegenüber der Heilbronner Stimme die Reaktion der SLK-Geschäftsführung und –Pressestelle auf eine Stimme-Anfrage vor einigen Tagen. Dabei hatte SLK offiziell verlautbart: „Eine zu hohe Überstundenbelastung gibt es bei den SLK-Kliniken insgesamt nicht.

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Die Überstundenzahl liegt aktuell bei 18 Stunden kumuliert in 2017.“ Außerdem sei die vorübergehende Nicht-Belegung von Betten „aufgrund der niedrigen Nachfrage in den Sommermonaten“ erfolgt, diese Maßnahme „führt auch zu einer Entlastung des Pflegepersonals“.

„Überstundenfrei gibt es schon lange nicht mehr“

Seitdem häufen sich die Anrufe und E-Mails an die Adresse der Stimme-Redaktion. Die SLK-Mitarbeiter in den Pflegestationen sprechen dabei von aktuell 80 bis über 100 Überstunden pro Mitarbeiter – und das, obwohl jedes Jahr die Überstunden ausbezahlt würden und die Überstundenkonten wieder auf 20 Stunden gestellt würden.

„Überstundenfrei gibt es nicht mehr“, berichten SLK-Mitarbeiter. Im Gegenteil, wegen Personalmangels und Krankheitsfällen häuften sich die Anrufe in der Freizeit, für ausgefallene Kollegen kurzfristig einzuspringen. Die temporäre Schließung der Betten sei nicht urlaubsbedingt erfolgt oder wegen zu schwacher Patientenzahlen, sondern will mehr Mitarbeiter auf den Abbau ihrer Überstunden bestanden hätten.

Überlastung, Stress, Burnout

In persönlichen Gesprächen mit Stimme-Redakteuren berichten die SLK-Mitarbeiter von Überlastung, Stress- und Burn-out-Symptomen und von dem permanent schlechten Gefühl, zu wenig für die einem anvertrauten Patienten genug getan zu haben. Das bestätigt auch Verdi-Sekretär Gailing: Der Krankenstand sei sehr hoch.

Neben der Forderung nach mehr Personal für alle Krankenhäuser im Bezirk gibt es eine gravierende Forderung speziell an die Führung der SLK-Kliniken: „Man muss realisieren, dass der Zustand so ist und die Situation auch offen benennen. Man darf nicht versuchen, es schöner darzustellen als es ist.“ Denn dadurch lasse es die Geschäftsführung gegenüber dem eigenen Personal an Wertschätzung fehlen.

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