Tierexperte: Keine Panik vor dem Luchs (15.03.2010)

Cleebronn/Stuttgart - Vor rund zwei Wochen ist aus dem Cleebronner Wildparadies ein Luchs entlaufen. Oswald Jäger, Artenschutzreferent des Regierungspräsidiums Stuttgart, spricht im im Interview über die Gefahr, die von der Raubkatze ausgeht.

Cleebronn/Stuttgart - Die Botschaft von Oswald Jäger, Artenschutzreferent des Regierungspräsidiums Stuttgart, ist klar. Der Mensch habe vor einer Raubkatze, wie die aus dem Cleebronner Wildparadies entlaufene, nichts zu befürchten, sagt er im Interview mit Adrian Hoffmann.


Oswald Jäger ist Artenschutzreferent des Regierungspräsidiums Stuttgart. Foto: privat
Wie gefährlich kann ein Luchs für Menschen sein?

Oswald Jäger: Überhaupt nicht. Luchse sind harmlos für uns. Sie sind sehr scheu, meiden den Menschen. Können sie ausweichen, werden sie das immer machen. Luchse haben eine ganz andere Sinneswahrnehmung als Menschen. Die Augen, der Geruch, das Gehör. Der Luchs verzieht sich auf leisen Pfoten, da haben wir ihn noch nicht mal bemerkt.


Und wenn man nur einen Meter vor ihm stehen würde, was dann?

Jäger: Ich halte das für fast ausgeschlossen. Falls doch: Stehen bleiben und nicht in Panik ausbrechen.


Kann denn ein Gehege-Luchs in freier Wildbahn überleben?

Jäger: Mit Sicherheit. Luchse sind Jäger. Sie verlernen es nicht, ihre Ernährung sicherzustellen. Das sind Ur-Instinkte. Wenn der Luchs Hunger hat, geht er auf die Jagd. Es gibt ja in Baden-Württemberg wilde Luchse. Die Forstliche Versuchsanstalt in Freiburg kann das nachweisen. Es sind trotz allem sehr wenige Tiere, von denen wir sprechen. 2007 wurde ein Luchs auf der Autobahn bei Laichingen überfahren.


Wie stehen Sie grundsätzlich der Idee gegenüber, wilde Luchse anzusiedeln?

Jäger: Aus der Sicht des staatlichen Naturschutzes ist diese Thematik nicht umstritten. Luchse waren einmal Bestandteil unserer Fauna. Wenn sie wieder zuwandern und in den Wäldern sind, wäre ein alter Zustand wieder hergestellt.


Geht das bei uns überhaupt noch, gibt es so viel freien Raum?

Jäger: Ich denke schon. Luchse sind anpassungsfähig. Wahrscheinlich würden sie mit der Zeit einfach weniger scheu sein.


Wäre das dann wiederum gefährlich?

Jäger: Nein. Menschen passen überhaupt nicht in das Beuteschema. Wir sind viel zu groß für sie. Ich finde, man sollte das Thema nicht über Gebühr strapazieren. Luchse sind für uns ungefährlich.


Und für Kinder?

Jäger: Auch nicht. Wir Menschen riechen ja alle ähnlich, für den Luchs sind wir nicht von Interesse. Außerdem reagieren wir auch nicht wie Beutetiere und rennen gleich weg.


Was halten Sie denn grundsätzlich von Luchs-Haltung in Gehegen?

Jäger: Gar nichts. Luchse sind Wildtiere, sie gehören in die freie Natur. Das ist meine persönliche Meinung. Es gibt einen rechtlichen Rahmen, in dem die Haltung in Gehegen erlaubt ist. Und diesen Rahmen hält Familie Fischer ein. Ich finde auch, dass wilde Vögel nichts in Menschenhand verloren haben. Es ist letztlich eine ethische Frage.