Plädoyer für die energetische Sanierung alter Häuser

Heilbronn  Energiepolitik? Spielt im Bundestagswahlkampf eine eher untergeordnete Rolle. Bei einem Besuch von Umweltminister Untersteller (Grüne) in Heilbronn im Rahmen der Energiewendetage des Landes war das anders.

Von Manfred Stockburger

Plädoyer für die energetische Sanierung alter Häuser
Zeki Willkauk (rechts) erklärt Minister Untersteller ein energetisches Sanierungsprojekt. Zeki Öztas (hinten) hört zu. Foto: Manfred Stockburger  

Landes-Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) macht bei den Energiewendetagen einen Zwischenstopp in der Region Im Gespräch mit dem Heilbronner Energieberater Zeki Willhauk streicht Untersteller die Bedeutung der energetischen Sanierung von Bestandsimmobilien hervor - und zwar mindestens nach dem KfW-70-Standard: "Sonst macht es keinen Sinn." 

Auch wenn sich viele von Willhauks Kunden gegen eine dicke Dämmung sträuben, wie der Berater berichtet. "Dämmung ist keine Ursache für Schimmel", betont Untersteller. "Nur falsche Dämmung."

Nachholbedarf bei Wärmedämmung

Während beim Strom die Energiewende mit einem erneuerbaren Anteil an der Erzeugung von etwa 35 Prozent ein gutes Stück vorangekommen, beim Thema Wärme sieht Untersteller noch Nachholbedarf. "Da kommen wir langsamer voran, als ich es gerne hätte - bei Effizienz und beim Einsatz von erneuerbaren Energieträgern." Rückenwind durch steigende Ölpreise erwartet er indes in den kommenden Jahren nicht. Allerdings werde günstiger Strom aus erneuerbaren Quellen über Wärmepumpen zunehmend zum Thema für die Heizung. Sektorkoppelung nennen das die Experten.

"Photovoltaikstrom ist heute günstiger als konventionell erzeugter", sagte er unter Verweis auf die jüngsten Ausschreibungsergebnisse. Wegen der Zunahmen an Wärmepumpen und weil er erwartet, dass die Elektromobilität ("Da stehen wir noch ganz am Anfang") bereits in wenigen Jahren schnell an Bedeutung zunehmen werde, sprach Untersteller sich für das Ende der Deckelung beim Zubau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten aus. "Der Deckel muss weg in der nächsten Legislaturperiode", forderte der Grünen-Politiker. Windkraftkritikern hielt er vor, dass sie anders als die Anti-Atomkraft-Bewegung keinen Gegenentwurf anböten. "Unser Gegenentwurf war die Energiewende", sagte er. Denn: "Die Steckdose alleine reicht nicht."

Dass neue Atommeiler, die gelegentlich ins Gespräch gebracht werden, nur mit hohen Subventionen gebaut werden könnten, werde am Beispiel Großbritannien deutlich. "Die Entwicklung hin zu den Erneuerbaren ist nicht mehr aufzuhalten", sagte der Minister. "Selbst Donald Trump kann das nicht ändern. Der kann sich in sein Oval Office setzen und Dekrete unterschreiben. Windstrom aus Arizona und Texas und Sonnenenergie aus Kalifornien sind einfach günstiger als Kohle."

Neues Förderprogramm angekündigt

Bleibt der Netzausbau. Um die Netze zu entlasten werde sein Ministerium demnächst ein Förderprogramm auflegen, das die Kombination von Photovoltaikanlagen mit Batteriespeichern unterstützt. Allerdings nur dann, wenn der Speicher keine Insellösung ist, sondern dem Netzbetreiber auch als Puffer für Spitzen in der Erzeugung und im Verbrauch zu Verfügung stehe. "Sonst gibt es von mir keine Förderung. Das würde der Rechnungshof zurecht kritisieren."

Für Energieberater Willhauk, der sein Büro im Business- und Kulturhaus Au34 hat, ist das ein interessanter Ansatz. Ob die Kunden darauf eingehen? Untersteller ist zuversichtlich - schließlich darf der Netzbetreiber nur gegen Bezahlung auf den privaten Speicher zugreifen.