Mehrheit im Gemeinderat für Wildtierverbot im Zirkus

Heilbronn  Der Heilbronner Gemeinderat will keine Zirkusse mehr zulassen, die Löwen, Tiger oder Elefanten als Attraktion im Programm haben. Bestehende Verträge werden allerdings eingehalten.

Von unserer Redakteurin Bärbel Kistner

Mehrheit für Wildtierverbot

Die Elefantennummer ist vom letzten Weihnachtszirkus. Dieser hat durch seinen Vertrag Bestandschutz und darf bis 2019 Wildtiere im Programm haben.

Foto: Andreas Veigel

 

Der Oberbürgermeister hat sich klar positioniert. Für ihn greift der gesellschaftliche Wertwandel auch beim Zirkus, das Verhältnis zu Tieren habe sich geändert: "Darauf müssen wir als Kommune reagieren", sagte Harry Mergel als Begründung für den Antrag der Verwaltung, keine Pachtverträge mit Zirkusunternehmen abzuschließen, die Wildtiere im Programm haben.

Mergel: "Tiger, die durch Reifen springen, und Elefanten haben im Zirkus nichts mehr zu suchen." Auf der Liste stehen unter anderem noch Löwen, Bären, Menschenaffen, Wölfe und Nashörner.

Bei acht Gegenstimmen hat sich der Heilbronner Gemeinderat am Abend mehrheitlich für das Wildtierverbot ab 2016 ausgesprochen. Für den Heilbronner Weihnachtszirkus ändert sich vorerst nichts. Dessen Vertrag mit der Stadt läuft noch bis 2019, so lange dürfen weiterhin Raubtiernummern − wie im diesjährigen Programm geplant − gezeigt werden. Auch Tiere im Altbestand von Zirkussen sind von dem Verbot ausgenommen. "Wir haben einen guten Kompromiss gefunden", sagte der OB.

Es gab schon einmal einen solchen Antrag

Für Stadtrat Karl-Heinz Kimmerle ist der Antrag der Beweis, "dass wir Grünen der Zeit immer etwas voraus sind". Seine Fraktion habe bereits 2011 einen entsprechende Antrag eingebracht, der damals noch scheiterte. Im Zirkus ist aus seiner Sicht keine artgerechte Haltung von Wildtieren möglich. Nummern mit diesen Tieren zu zeigen entspräche auch nicht mehr dem Wunsch des Publikums: "Attraktive Tiernummern mit Hunden oder Pferden bleiben uns erhalten."

Wolfgang Palm (CDU) wollte zumindest darauf verweisen, dass auch ein Drittel der Hunde nicht artgerecht gehalten werden, ebenso wenig wie der überwiegende Teil von Mastgeflügel oder von Schweinen. Ob ein Löwe statt im Zirkus "lieber in der Serengeti herumrennen will", diese Frage könne man sich durchaus stellen. Doch dem Zeitgeist entsprechend, schloss sich auch Palm der Mehrheit seiner Fraktionskollegen an, und stimmte dem Verbot zu.

Markus Scheffler (SPD) begrüßt im Namen seiner Fraktion die neue Verordnung ausdrücklich. Die Verwaltung habe jedoch fair gehandelt, getroffene Verpflichtungen wie mit dem Weihnachtszirkus einzuhalten und auch den Altbestand auszunehmen. Zustimmung kam auch von Gisela Haellmigk (Alfa). Bei der FDP ist man gespalten. Zwei der vier Stadträte der Liberalen lehnen den Antrag ab. Für Gottfried Friz etwa ist das Verbot ein "Eingriff in unternehmerische Entscheidungen". Zudem sei für ihn ein Zirkus ohne Tiere wie ein Auto ohne Räder.

Heiner Dörner (Freie Wähler) hat kein Verständnis für die Drucksache. Die Stadt handele in vorauseilendem Gehorsam. Eine obergerichtliche Entscheidung stehe noch aus, deshalb gebe es keinen Anlass, jetzt zu entscheiden. Sich Problemen wie Menschenschutz zuzuwenden, sei wichtiger als Zirkuslöwen zu verbieten. Für Harry Mergel ist der Einwand eine Entgegnung wert: Viele Menschen, die das wollten, kümmerten sich auch um diese Probleme. Dagegen gestimmt haben zudem Alfred Dagenbach (Pro) und Bettina Michaelis (Linke).