Atommülltransport: Castor-Schiff steht bereit

Region  Auf dem Wasser will Energieversorger EnBW verbrauchte Brennelemente aus dem Kernkraftwerk Obrigheim ins Zwischenlager Neckarwestheim bringen. Atomkraftgegner kritisieren die Tests auf dem Neckar, die jetzt angelaufen sind.

Von Reto Bosch

Castor-Schiff steht bereit

Schubschiff "Edda" bugsiert den unbeladenen Leichter an der Lauffener Rathausburg vorbei Richtung Neckarwestheim.

Foto: Reto Bosch

Auch ohne Castoren an Bord hat Schubschiff "Edda" die Aufmerksamkeit vieler Menschen auf sich gezogen. Der Verband legte genau die Strecke zurück, auf der er demnächst leere Castorbehälter zu Übungszwecken von Obrigheim nach Neckarwestheim transportieren soll.

Und sobald die Genehmigung des Bundesamtes für Entsorgungssicherheit vorliegt, schickt die EnBW 342 hochradioaktive Brennelemente auf die Reise ins GKN-Zwischenlager. Atomkraftgegner lehnen diese Pläne ab, sie verfolgten die erste Fahrt des Schub-Schiffes sehr genau.

Geplante Leerfahrt ohne Castoren

Binnenschiffe sind auf dem Neckar ein vertrautes Bild. "Edda" und der von ihr geschobene Leichter "Lastdrager40" boten aber einen ungewöhnlichen Anblick. Eine Metall-Umhausung nimmt den Großteil des Schiffes ein. "Das war eine geplante Leerfahrt, Castoren befanden sich nicht an Bord", sagte eine EnBW-Unternehmenssprecherin der Stimme. Das Fahrzeug sei nach Neckarwestheim gefahren, um dort zu parken.

Die leeren Castoren für die angekündigten Übungsfahrten nehme es dann in den kommenden Wochen in Obrigheim auf. Wann der Kraftwerksbetreiber die Funktionstests starten wird, konnte die Sprecherin nicht sagen. Ebenfalls unklar ist noch, wann die beladenen Castoren ins GKN-Zwischenlager gebracht werden.

Kritik der Atomkraftgegner

Kernkraftgegner kritisieren, dass die EnBW einen "problematischen Fuhrpark zusammengestellt hat". Die Fahrzeuge seien alt, das Schubschiff sei vor vier Jahren "spektakulär in Brand geraten". Nach Angaben des Karlsruher Energieversorgers ist das Feuer damals von einem defekten Mikrowellen-Gerät in der Kabine ausgegangen. Anschließend sei das Schiff modernisiert worden, es entspreche den aktuellen Vorgaben.

Die erste Etappe beendete "Edda" am Dienstagabend in Bad Friedrichshall-Kochendorf. Am Mittwochvormittag ging die Reise weiter, gegen 11 Uhr passierte der Verband Lauffen, kurz vor 11.30 Uhr erreichte er Neckarwestheim. 

Lässt das Rückschlüsse auf die realen Fahrtzeiten zu? Eher nicht. Im Ernstfall beschweren drei Behälter das Schiff, von denen jeder einzelne mehr als 100 Tonnen auf die Waage bringt. Die bevorstehenden Funktionstests sollen Übungszwecken dienen. Die EnBW wird das Schiff in Obrigheim mit leeren Castoren be- und in Neckarwestheim wieder entladen. Dort rollen die Behälter dann erneut an Bord, um nach Obrigheim transportiert werden zu können.

Freie Stellflächen in Neckarwestheim

Die EnBW strebt die Castor-Verlagerung deshalb an, um in Obrigheim auf den Bau eines weiteren Zwischenlagers verzichten zu können. Wegen des Atomausstiegs stehen im GKN-Lager genügend freie Stellflächen zur Verfügung.

Gegen diesen "unsinnigen und gefährlichen Schiffstransport" hat sich das Bündnis "Neckar castorfrei" gegründet. Verschiedene Protestaktionen gab es schon, geplant ist eine Demonstration am Samstag, 4. März, 13 Uhr, in Heilbronn.