400 Leute protestieren gegen Stefan Mappus

Lauffen - Pfiffe, Buhrufe, ein ohrenbetäubender Lärm. Rund 400 Demonstranten haben Ministerpräsident Stefan Mappus beim Neujahrsempfang des CDU-Stadtverbands Lauffen am Sonntag einen heißen Empfang bereitet.

Von Joachim Kinzinger


Lauffen - Pfiffe, Buhrufe, ein ohrenbetäubender Lärm. Rund 400 Demonstranten bereiten Ministerpräsident Stefan Mappus beim Neujahrsempfang des CDU-Stadtverbands Lauffen am Sonntag einen heißen Empfang.

Den Weg zum Stadthalleneingang hat die Polizei frei gehalten. Hinter dem rot-weißen Absperrband machen Atomkraftgegner, Stuttgarter Parkschützer und das Bündnis „Heilbronner gegen Stuttgart 21“ gegen die Landesregierung mobil. Um 10 Uhr werden die ersten Fahnen geschwenkt, Transparente gegen die Tieferlegung des Stuttgarter Bahnhofs hoch gehalten.


„Der Atomprotest muss sichtbar bleiben“, sagt Wolfram Scheffbuch vom Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN). Die „Mutbürger“ hätten die Nase voll von der Landespolitik, ruft Franz Wagner von der Energiewende Heilbronn in die Menge.

Auch CDU-Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch wird mit vielen Pfiffen begrüßt. „Es sollte doch klar sein, dass Stuttgart 21 eine Schlichtung erfahren hat“, hat sie für diese Art der Demonsration kein Verständnis. Vor der Stadthalle wartet auch Frank Braun, Vorsitzender des Stadtverbands Lauffen, auf den Festredner: „Es ist toll, dass Mappus nach Lauffen kommt.“ Braun erhofft sich von ihm eine Initialzündung für die Landtagswahl.

Demozug

Gegen 10.40 Uhr trifft der zweite Demonstrationszug ein, der unter Polizeieskorte vom Bahnhof zur Stadthalle gelaufen ist. Rainer Köller, Pressesprecher der Heilbronner Polizei, schätzt die Zahl der Protestierer auf rund 400.

Pfaffenhofens Bürgermeister Dieter Böhringer hat so einen „heißen Empfang noch nicht erlebt“. Sein Lauffener Kollege Klaus-Peter Waldenberger ist noch nie vor der Stadthalle mit Pfiffen empfangen worden.

Um 10.58 Uhr steigt die Spannung. Wo bleibt der Ministerpräsiden? Im kleinen Kreis wird diskutiert: „Die Option sollte offen bleiben, dass er auch hinten rein kann.“ Durch eine Seitentür. Fünf Minuten später steht fest, er kommt durch den Haupteingang. Um 11.10 Uhr fährt die Limousine vor, der Lärmpegel schwillt an.

Gurr-Hirsch, Frank Braun und CDU-Bundestagesabgeordneter Eberhard Gienger begleiten Mappus an der Menge vorbei. Der Ministerpräsident blickt zunächst nur nach vorn, später grüßt er kurz. Mit Beifall empfangen ihn CDU-Anhänger vor der Halle. Es gelingt den Protestierern nicht, Mappus rund 100 000 Unterschriften für den Baustopp von Stuttgart 21 zu übergeben.

Weiterbau

„Ich beschäftige mich mit Inhalten, nicht mit Randale“, sagt Mappus im Saal. Rund 350 Leute hören seinen einstündigen Streifzug durch die Landespolitik. Er weist auf die „unglaubliche Wirtschaftskraft“ hin: 4,7 Prozent Wirtschaftswachstum 2010, nur 4,3 Prozent Arbeitslosigkeit. Das Lande sei nicht geeignet für Experimente, meint der Landeschef mit Blick auf die Grünen. „Jetzt oder nie“ heißt seine Devise bei Stuttgart 21. Es werde weiter gebaut, weil es von zentraler Bedeutung sei. Zum differenzierten Schulsystem sieht Mappus keine Alternative. Kleine Grundschulen blieben erhalten.

Lauffens Bürgermeister Waldenberger ist froh, dass das Land dem Querverschub beim Neubau für die B-27-Brücke zugestimmt habe. Hochwasserschutz und Nordtangente sollten noch erledigt werden.