Zwei Kandidaten zeigen Profil

Offenau - Michael Folk und Johannes Müllerschön stellen sich und ihr Programm vor

Von Petra Müller-Kromer

Offenau - Michael Folk (SPD), seit 16 Jahren amtierender Rathauschef, der sich am Sonntag, 27. März, bei der Bürgermeisterwahl zur dritten Amtszeit stellt, und sein Herausforderer Johannes Müllerschön (Linke): Annähernd 100 Zuschauer waren zur Kandidatenvorstellung in die Saline gekommen, um zu hören, was sich die Bewerber um das höchste Amt der Gemeinde für die nächsten acht Jahre vorgenommen haben.

Vom Hochwasserschutz zum Kindergarten, von der Saline zum Neubaugebiet, 20 Minuten Redezeit reichten dem Verwaltungschef nicht ganz für Rück- und Ausblick.

Landschaftspflege sei ihm wichtig, sagte Folk. Gemeinsam mit Nachbargemeinden versuche er, das Neckarufer als Naherholungsgebiet aufzuwerten. Mit der Seniorenwohnanlage werde dem demographischen Wandel Rechnung getragen. Junge Familien, "das ist ein Thema, das uns immer interessiert", hätten sich im Gelbenstein I einst günstig ein Haus kaufen können. Die Ansiedlung von Gewerbe packte der 50-Jährige unter den Punkt Nahversorgung. "Friedrichshall hat den Bebauungsplan Offenau Süd angefochten. Wenn wir Lidl nicht ermöglichen zu erweitern, kann es sein, dass er schließt." Die Gemeinde streitet mit dem Nachbarn vor dem Bundesverwaltungsgerichtshof in Leipzig. Zuvor hatten die Richter in Mannheim den Plan unter anderem deshalb kassiert, weil er Kaufkraft von den Nachbarn abziehe.

Mit Versprechungen hielt sich Folk zurück. Bezug nehmend auf die Finanzkrise vor Jahren sagte er: "Ich habe in Offenau Höhen und Tiefen erlebt und hoffe, zeigen zu können, dass ich das Gemeindeschiff weiter sicher steuern kann."

Kreisrat Johannes Müllerschön stellte fest, dass "wählen auch etwas mit auswählen zu tun hat" − auch das ein Grund für seine Bewerbung. "Ich hätte es schade gefunden, wenn die Bürgermeisterwahl so ganz im Landtagswahlkampf untergegangen wäre." Vom "metallverarbeitenden Dorfschmied zum Hightech-Mechatroniker" − ein Landmaschinenmechaniker sei keinesfalls "ein Fachidiot".

Als Betriebsrat beim Fiat-Konzern in Heilbronn stünden die Menschen im Mittelpunkt seines Handelns. "Ich bin Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats an drei Standorten und gewohnt, über das Werkstor hinauszuschauen", sagte der 57-Jährige. Eines wollte der Wahl-Offenauer klarstellen: "Ich kandidiere als Johannes Müllerschön und nicht als linker Parteisoldat."

Mit Kopien der Ratsunterlagen für die Zuhörer während Gemeinderatssitzungen und Infos im Internet wolle er die Rathausarbeit transparent machen. Müllerschön sagte, er stehe für ökologischere Stromversorgung, Stärkung des Handels im Ortskern und bessere Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen.

Als Bürgermeister müsse man aufpassen, dass die Stadtbahn der Gemeinde keine Verschlechterung bringe. "Die Zukunft Offenaus liegt mir am Herzen," so Müllerschön. Die Themen Verkehr, Umfahrung, Handel und Schulden bewegten in der Fragerunde die Besucher, wobei sich auch die Bewerber auf dem Podium ins Zwiegespräch verstrickten. Bei Fragen rund um den Gemeindehaushalt tat sich Müllerschön schwer, Michael Folk rang beim Thema Umgehung um eine klare Aussage.

Zwei Kandidaten zeigen Profil
Der stellvertretende Bürgermeister Josef Wanner, die Kandidaten Johannes Müllerschön und Michael Folk mit Kämmerer Holger Leister (von links).Foto: Sawatzki