Jemand, der sich einmischt

Johannes Müllerschön peilt den Chefsessel des Rathauses an

Von Petra Müller-Kromer

Jemand, der sich einmischt
Johannes Müllerschön ist Landmaschinenmechaniker und Betriebsrat. Er tritt am 27. März gegen Michael Folk und Rüdiger Widmann an.Foto: Petra Müller-Kromer

Offenau - Die Offenauer Kommunalpolitik, die fand Johannes Müllerschön "immer schon interessant". Bereits vor 16 Jahren hat sich der gelernte Landmaschinenmechaniker überlegt, ob er bei der Bürgermeisterwahl in Offenau kandidiert. Dieses Mal hat das Kreistagsmitglied wirklich seinen Hut in den Ring geworfen. "Die Linkspartei muss man von unten aufbauen," nennt er eine Motivation für seine Bewerbung als Bürgermeister.

Mit 57 Jahren könnte Müllerschön eine Wahlperiode bestreiten. Für den Heilbronner Gemeinderat hatte er einst kandidiert, seit 2009 sitzt er für die Linke im Kreistag. Vieles an der Offenauer Kommunalpolitik findet er "vernünftig", auch "wenn ich mich oft drüber ärgere".

Sechs Geschwister

Aufgewachsen mit sechs Geschwistern im Breisgau, kam er "als Bauernbub in die Stadt", nach Freiburg aufs Gymnasium. Ein heißes politisches Pflaster sei das 1968 gewesen. "Ich war erst 14, habe aber interessiert zugeschaut, was die älteren Brüder gemacht haben." Müllerschön bricht mit Mittlerer Reife die Schule ab, absolviert seine Ausbildung in Mannheim und engagiert sich in der Lehrlingsbewegung. "Ich war schon politisiert, als ich nach Heilbronn gekommen bin." Vor 16 Jahren zieht er mit der Familie nach Offenau, weil ihn und seine Frau, die als Leiterin des Kindergartens für Sehbehinderte in Heilbronn arbeitet, das offene Konzept der Wohnhöfe überzeugt.

Zudem wollen sie den Söhnen eine Kindheit auf dem Land ermöglichen. Ein Jahr nimmt der Vater Erziehungszeit. "Das hat mich meinen Kindern sehr nahe gebracht", sagt Müllerschön. Die erwachsenen Söhne wohnen mit 19 und 21 Jahren noch daheim. Seit 25 Jahren ist er teilfreigestellter Betriebsrat bei Fiat. Zu seinem Arbeitsplatz in Heilbronn radelt er täglich mit dem Fahrrad. Er tritt für verbesserte Arbeitsbedingungen, für Mindestlohn und Stärkung der Tariflandschaft ein. "Ich bin inzwischen so etwas wie eine Institution im Betrieb. Das Spannende ist die kleine Einheit am Standort Heilbronn mit 130 Mann im Verhältnis zum Konzern mit 200 000 Beschäftigten."

Transparenz

In seinem Wahlprogramm wirbt Müllerschön für mehr Transparenz, etwa bei Gemeinderatssitzungen, bei denen zu viel vorbesprochen werde. Statt etwa mit Offenau Süd Zentren auf der Grünen Wiese zu schaffen, will er lieber den Ortskern stabilisieren, mit den Nachbargemeinden besser zusammenarbeiten. "Ich bin überzeugt, dass die Linke ein Potenzial zwischen fünf und zehn Prozent hat. Ob die Person Johannes Müllerschön noch etwas draufsetzt, werden wir sehen. Die Bürger haben am 27. März das letzte Wort."

Privat ist er bei den Naturfreunden, wandert und macht Langlauf, gern auch mal einen Skimarathon mit 60 Kilometern im Schwarzwald.