Erstlingsexemplar ist noch heute unbezahlbar

Fotoapparatesammlung von Richard Helferich eröffnet − Stifter und Chronist erhält Bürgermedaille

Von Ute Plückthun

Erstlingsexemplar ist noch heute unbezahlbar
Richard Helferich mit Bürgermeister Claus Brechter und Günther Haberhauer (von rechts) vom Verein Alt-Wimpfen im Museum.Foto: Plückthun

Bad wimpfen - Für seine vielfältigen Verdienste um die Stadt Bad Wimpfen wurde Richard Helferich mit der Bürgermedaille ausgezeichnet. Nicht nur, weil der 86-Jährige dem Reichsstädtischen Museum im Alten Spital seine private Sammlung von annähernd 400 Fotoapparaten vermacht und damit eine dauerhafte Ausstellung im Dachgeschoss ermöglicht hat. Sondern auch, weil er sich mit seinen zahlreichen Fotodokumenten in die Reihe der Stadtchronisten einreihen darf.

Als "außergewöhnliche Bereicherung" bezeichnete Bürgermeister Claus Brechter die Sammlung, die von der über 100 Jahre alten Lochkamera bis zur modernen Digitalkamera reicht: "Das ist eine Ausstellung, die für ein kleinstädtisches Museum ihresgleichen sucht." Zudem sei es "das erste Mal, dass eine Sammlung, die den Namen des Stifters trägt, vorgestellt wird".

Perfekt Ebenso wichtig sei jedoch das halbe Jahrhundert, in dem der Wimpfener Richard Helferich die Geschehnisse in der Stadt, etwa im Gymnasium, bei der Feuerwehr oder der Faschingsgesellschaft, begleitet und mit Bildmaterial bereichert habe. Brechter erinnerte an das 25. Partnerschaftsjubiläum mit Servian 1992, bei der Helferich fotografiert hatte: "Die Franzosen haben nicht schlecht gestaunt, als schon am Abend ein perfektes Album fertig war."

Günther Haberhauer, Vorsitzender des Vereins Alt-Wimpfen, bestätigte, dass der materielle und systematische Wert der Ausstellung die Erwartungen weit übertroffen habe. Beim notwendigen Speicherausbau, für den eine Marderfamilie ausziehen musste und dessen Kosten die Stadt übernommen hatte, hätten sich vor allem Klaus Buschbacher mit seiner "Truppe von 70-Jährigen", Dieter Hubatschek und Horst Görlich hervorgetan. Rudolf Fischer sorgte für Transport und Inventarisierung der Apparate, Wolfgang Bausch übernahm ihre systematische Anordnung.

Rund 60 Quadratmeter groß sind die Ausstellungsräume, die mehrere in die Schräge eingebaute Glasvitrinen beherbergen. Außerdem gibt es einen Monitor, in dem Programme schlummern, die durch Berührung abgerufen werden können. Bilder des Bad Wimpfener Fotopioniers August von Lorent und des Ästhets Engelbert Goriup sind vertreten, ebenso die Sammlung "Unser liebes altes Wimpfen". Zwei weitere Kapitel mit Bildern von Chronist Richard Helferich und "Bad Wimpfen einst und heute" sollen demnächst installiert werden.

Glücksbringer Fast alle Kameras hat Helferich gestiftet, nicht jedoch sein 250 Mark teures Erstlingsexemplar. Eine unerschwingliche Summe für den damaligen Studenten und mittlerweile pensionierten Professor am Staatlichen Seminar für Studienreferendare an beruflichen Schulen in Stuttgart. Freundin Ilse steuerte die Hälfte bei, die Rückzahlung bei Scheitern der Beziehung wurde vereinbart. Ein Arrangement, das Glück brachte: "Dazu wäre ich nie in der Lage gewesen, also habe ich sie geheiratet", gesteht der Familienvater schmunzelnd.