Pfadfinder schicken Trollinger Richtung Weltall

Erlenbach  Eine besondere Aktion anlässlich des 40. Erlenbacher Weinfestes: Die Pfadfinder hatten Trollinger mithilfe eines Ballons in große Höhen entsandt.

Von Werner Glanz

Frühmorgens herrscht auf dem Erlenbacher Sportplatz emsiges Treiben. Doch die Kugel, die heute im Mittelpunkt steht, ist um ein vielfaches größer und keinesfalls zum Fußballspielen geeignet. Auf dem saftig-grünen Rasen sind die Pfadfinder vom Stamm Sankt Georg Erlenbach (DPSG) aktiv. Das Ziel: Mit einem Wetterballon in über 30.000 Meter Höhe vorzudringen.

Inspirieren ließen sich die Pfadfinder durch diverse Videos aus den USA. Im nächsten Schritt informierte man sich dann über die Rahmenbedingungen eines solchen Projektes in Deutschland. "Die Überraschung war groß: Auch hierzulande ist sowas möglich", erzählt Pfadi-Mitglied Thomas Kübel. Zumindest nach reichlich bürokratischem Aufwand. Es musste eine Freigabe erfolgen und eine spezielle Versicherung abgeschlossen werden.

Herzstück des Projekts ist die Sonde, eine kleine Styroporbox, welche vom Ballon in die Höhe getragen wird. Diese ist in Signalfarben und trägt das Vereinswappen der Pfadfinder. Mit an Bord ist auch reichlich Technik. Eine HD-Kamera soll den Flug aufzeichnen. Ein GPS-System hilft später bei der Suche der Sonde, ein weiteres Gerät zeichnet die Flugdaten auf. Energiequelle ist eine externe Batterie.

 

Als Fracht des Wetterballons wurde ein Weinglas und eine kleine Flasche Erlenbacher Trollinger bestimmt. "Das Motto der Aktion ist eine Hommage an die Region und Gemeinde", sinniert Thomas Kübel. "Mit dem Weinglas wird zudem das 40. Erlenbacher Weinfest zelebriert." Der braune Ballon füllt sich langsam mit 3500 Liter Helium. Lange Leinen werden mit dem Ballon, der Sonde und einem Fallschirm verbunden.

Der Countdown läuft, dann ist der Augenblick des Starts gekommen. Der Ballon richtet sich auf und schwebt bereits in 15 Metern Höhe. Am anderen Ende befindet sich die Sonde, die von Bürgermeister Uwe Mosthaf gehalten wird. Er findet die Aktion "unfassbar lässig". Langsam schwebt das Gespann lautlos in den Himmel. Wenig später ist nur noch ein winziger Punkt am Horizont zu erkennen. Die grobe Flugroute der Sonde konnten sie anhand der Windrichtung bestimmen. Sie würde irgendwo zwischen Schwäbisch Hall und Crailsheim wieder die Erde berühren. Nach knapp drei Stunden kommt ein Signal der Sonde: die ersten Koordinaten. Im Abgleich mit der Landkarte zeigt sich schnell, die Sonde hatte es 65 Kilometer weit bis nach Rechenberg geschafft.

Das Bergungsteam ist bereits ausgerückt und kann die Sonde problemlos auf einer Wiese einsammeln. Erleichterung macht sich breit.

Zurück in Erlenbach werden die Daten ausgewertet. Kollektiver Jubel bricht aus, als feststeht, dass alles problemlos aufgezeichnet wurde. Ein unglaubliches Video mit spektakulären Bildern ist der Lohn der Mühen. Zu sehen ist der Aufstieg der Sonde über Erlenbach und dem Kayberg. Auch Heilbronn, Neckarsulm, Weinsberg, Gellmersbach und der Breitenauer See sind zu erkennen.

Dann macht sich das Dunkel des Weltalls bemerkbar. Ein Farbenspiel zwischen Himmel und Erde. Dazwischen: Wappen und Weinglas. "Mit zunehmender Höhe wird die Luft dünner bis durch Unterdruck der Wetterballon mit einem lauten Knall zerplatzt", erklärt Thomas Kübel. "Dann tritt die Sonde, natürlich gebremst durch den Fallschirm, die Rückreise an."

Einen Schluck des Weltall-Trollingers trinken am Freitagabend bei der Eröffnung des Weinfests Erlenbachs Bürgermeister Uwe Mosthaf und Organisator Klaus Varga.