Hochwasserlage entspannt sich weiter

Region - Das Hochwasser im Land geht weiter zurück. Der Neckar führt weniger Wasser als zuletzt. „Die Lage ist weitgehend entspannt“, sagte ein Sprecher der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale in Karlsruhe am Morgen.

Von unserer Redaktion

 

 

Region - Das Hochwasser in Baden-Württemberg geht weiter zurück. „Die Lage ist weitgehend entspannt“, sagte ein Sprecher der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale in Karlsruhe am Dienstagmorgen. Sowohl der Oberrhein als auch der Neckar führten weniger Wasser als zuletzt. Der Pegel am Main sei zwar weiter am Steigen, das Hochwasser aber nicht dramatisch. Die Lage an der Lauchert ist nach Angaben der HVZ unterschiedlich: Während der Wasserstand bei Laucherthal auf einem hohen Niveau bleibt, sind die Messwerte bei Gammertingen (beide Kreis Sigmaringen) weiter gesunken.

Aufatmen auch in der Region: Der Neckar hat sich in sein Flussbett zurückgezogen. In Neckarsulm und Lauffen wurden Straßen von Schlamm befreit. Das Ausmaß der Schäden wird langsam sichtbar. Ein Überblick: 

 

Lauffen: Kiesstraße von Schlamm befreit

Entspannung in Lauffen: Der Neckarpegal ist am Montag deutlich zurückgegangen. Bereits um 6 Uhr konnte mit den Reinigungsarbeiten begonnen werden. Die Kiesstraße, die teilweise direkt am Neckarufer verläuft, ist inzwischen von den Schlammmassen befreit. Derzeit ist die Straße noch gesperrt, am Abend soll der Verkehr hier wieder rollen. Am Nachmittag waren Bagger noch am Kiesplatz im Einsatz. 

 

Neckarsulm: Totalschaden im Vereinsheim

Das Hochwasser in Neckarsulm ist am Montag überraschend schnell zurückgegangen. Inzwischen fließt das Wasser wieder in seinem Flussbett. Am Nachmittag waren Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Neckarsulm und Mitarbeiter der Stadt mit der Reinigung der L1101 zwischen Neckarsulm und Obereisesheim beschäftigt. Trotz der noch bestehenden Sperrung widersetzen sich einige Autofahrer dem Durchfahrtsverbot. Morgen früh gegen 4.30 Uhr soll der Verkehr wieder rollen. Gleiches gilt für die Landesstraße zwischen Heilbronn und Obereisesheim.

Das Ernst-Freyer-Bad in Obereisheim konnte von der Feuerwehr vor größeren Schäden bewahrt werden. Die benachbarte Tennis- und Freizeitanlage Happy Match hingegen wurde durch das Hochwasser erheblich beschädigt. Ebenso wie das Heim des Vereins für Deutsche Schäferhunde Neckarsulm, wo das gesamte Inventar zerstört wurde. "Wir haben hier Totalschaden", berichtet der erste Vorsitzende Wolfgang Hekler.


Neckar-Hochwasser: Feuerwehren im Dauereinsatz

Am Wochenende waren etliche Feuerwehren im Landkreis Heilbronn im Dauereinsatz. Vor allem an den Städten entlang des Neckars gab es viel Arbeit. Die größten Feuerwehreinsätze waren in Heilbronn, Lauffen, Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Löwenstein und Gundelsheim zu verzeichnen, wie das Landratsamt am Montag auf Stimme-Nachfrage mitteilte.

 

 

 

 

Breitenauer See: Alles im grünen Bereich

Das größte Regenrückhaltebecken der Region, der Breitenauer See, hat das Hochwasser vom Wochenende gut überstanden. „Es ist alles im grünen Bereich“, sagt Johannes Kübler, Betriebsleiter des Wasserverbands Sulm.

Rund 260.000 Kubikmeter Wasser wurden im Breitenauer See angestaut. „Das ist eine Menge“, sagt Kübler. Insgesamt könne man zu dem Normalstand von 2,4 Millionen Kubikmeter weitere 900.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen. „Wir haben noch genug Luft nach oben“, sagt Kübler. „Die ganzen Becken des Wasserverbands Sulm sind ausgelegt auf ein Hundertjähriges Hochwasser.“

Das Hauptgeschäft für den Wasserverband beginnt allerdings erst in den kommenden Tagen. Dann gilt es die Becken von Müll und Schlamm zu reinigen.

 

Obereisesheim/Heilbronn: Straßensperrung verursacht Behinderungen

Die Sperrung der Landesstraße 1100 bei Obereisesheim hat heute Morgen an vielen Stellen zu Verkehrschaos geführt. Behinderungen gab es unter anderem aus Richtung Biberach, in Obereisesheim selbst und auch in Nördlicher Richtung auf der Neckartalstraße. Auf der Karl-Wüst-Straße im Heilbronner Industriegebiet ging zeitweise nichts mehr.

Der Straßendamm der Landesstraße 1100 ist auf Höhe des Freibades Obereisesheim durchfeuchtet. Es besteht die Gefahr, dass der Damm bricht. Die Straße ist deshalb vollständig gesperrt. Es wird empfohlen, den gesperrten Bereich großräumig zu umfahren. Ab Bad Wimpfen wird der Verkehr auf die B27 umgeleitet.

Durch die Überschwemmung des Neckartals sind zum Teil auch Internet und Telefon in Oberseisesheim seit dem Wochenende ausgefallen.

 

 

Gundelsheim: Campingplatz überflutet

 

 

Idyllisch am Neckar ist er gelegen, der Campingplatz in Gundelsheim, beliebt vor allem bei Dauercampern. Am Sonntagmittag ist nur noch das Parkplatzschild und das Verwaltungsgebäude zu sehen. Der Rest steht unter Wasser.

Wie groß die Schäden sind? Völlig unklar. "Das stellt sich immer erst hinterher heraus", sagt der Platzwart, der namentlich nicht genannt werden möchte. In der Nacht von Freitag auf Samstag hat der Wasserpegel die für den Campingplatz kritische Marke von 6 Metern überschritten. Am Nachmittag haben die letzten Urlauber den Platz verlassen. Die Dauercamper haben ihre Wohnwägen am Sportgelände in Gundelsheim untergestellt.

So gut es geht, habe man sich vorbereitet, die Waschmaschinen etwa auf Tische gestellt. "Überraschend war für uns die Höhe. Dass es kommt, darauf waren wir vorbereitet", sagte der Platzwart. Normalerweise komme ein derartiges Hochwasser nur im Frühjahr nach der Schneeschmelze.

Wenn das Wasser zurückgeht, werden die Aufräumarbeiten auf dem Platz sofort beginnen. Den angespülten Schlamm dürfe man nicht antrocknen lassen.

 

Neckarsulm: Sportzentrum Happy Match unter Wasser

 

 

Wegen des Hochwassers musste auch die Feuerwehr Neckarsulm am Samstagmittag zu einem großen Einsatz ausrücken. Im Stadtteil Obereisesheim ist der Neckar weit über die Ufer getreten. Das Sportzentrum Happy Match und das Obereisesheimer Freibad stehen unter Wasser.

Die Feuerwehr versuchte mit Pumpen, das Bad vor dem Hochwasser zu schützen. Das Happy Match selbst konnte am Samstagmittag noch nicht ausgepumpt werden. Die Schadenssumme ist derzeit noch unklar.

Die Brückenstraße, die Neckarsulm mit Obereisesheim verbindet, war überflutet und musste daher für den Verkehr gesperrt werden. Einen Damm an der Landesstraße 1100, der Verlängerung der Heilbronner Neckartalstraße, haben die Helfer beim Happy Match mit Sandsäcken verstärkt. "Das Wasser drückt unter der Neckartalstraße durch", sagt Wolfgang Rauh, Kommandant der Feuerwehr Neckarsulm.

Eine Sandsackfüllmaschine der Feuerwehr Heilbronn wurde zur Unterstützung angefordert. Rund 2000 Sandsäcke wurden vorbereitet. Der Verkehr staute sich auf der L1100 in Richtung Heilbronn. Die Freiwillige Feuerwehr Neckarsulm war mit sieben Einsatzfahrzeugen und 30 Mann vor Ort.

 

Lauffen: Keller laufen voll

Die meisten vollgelaufenen Keller waren nach Informationen der Polizei Heilbronn in Lauffen zu verzeichnen. Die Feuerwehr verteilte Sandsäcke und Pumpen. Drei Autos mussten aus dem Überschwemmungsgebiet abgeschleppt werden, darunter ein Mercedes, der in eine überflutete Straße gefahren ist. Die Kiesstraße war bereits am Samstag unter Wasser gesetzt. Die Freiwillige Feuerwehr Lauffen ist seit Freitagabend 23 Uhr in Hochwasserbereitschaft.

 

Hohenlohe: Hochwasser macht keine Probleme

Der Hochwasserschutz, in den in den vergangenen Jahrzehnten an Kocher und Jagst Millionen investiert wurden, hat sich ausgezahlt. Obwohl bis zu 60,5 Liter Regen pro Quadratmeter fielen, hielten sich die Probleme im Hohenlohekreis in Grenzen. Keine Straße musste wegen Hochwasser gesperrt werden. Bestenfalls Feldwege waren kurzfristig überspült, so die Polizei, die keinen Einsatz aufgrund des Hochwassers verzeichnet.

Lediglich die Retentionsflächen, die nach den beiden Jahrhunderthochwassern in den Jahren 1993 und 1994 entlang der Hohenloher Flüsse ausgewiesen worden waren, wurden überflutet. Nur das Theater im Fluss, das in Künzelsau der Premiere von Ferenc Molnars "Liliom" am Donnerstag entgegenfiebert, hatte ein Problem: Die Proben auf der Freilichtbühne im Kocherfreibad mussten ausfallen.

Die Pegel an Kocher, Jagst und Ohr erreichten laut Hochwasser-Vorhersage-Zentrale bis Samstagnachmittag ihre Höchststände und seien im Sinken begriffen. 

 

Neckar: Schifffahrt mindestens eine Woche gesperrt

Bereits am Freitag hat Dauerregen den Neckar so stark anschwellen lassen, dass der Schiffsverkehr eingestellt werden musste. Vor allem im Landkreis Ludwigsburg sind an Wehranlagen so starke Schäden entstanden, dass nach derzeitigen Schätzungen von Walter Braun, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Stuttgart, 8 bis 14 Tage keine Schiffe auf dem Neckar fahren können.