Verbindung zwischen den Generationen

Schüler bauen Scheinanlage Brasilien nach − Ausstellung wird am Sonntag eröffnet

Von Ulrike Kieser-Hess

Verbindung zwischen den Generationen
Voller Eifer sind die Schülerinnen der Hölderlin-Realschule beim Ausstellungsaufbau dabei. Kernstück ist der nachgebaute Stuttgarter Hauptbahnhof.Foto: Ulrike Kieser-Hess

Lauffen - Noch liegt die Attrappe der Fassade des Stuttgarter Hauptbahnhof-Turms, nachgebildet aus Holz und Rupfen, auf dem Boden des Museums der Stadt Lauffen. Aber zur Eröffnung der Ausstellung "Die Scheinanlage Brasilien" am Sonntag, 15. Mai, wird sie eines der Kernstücke sein. Mitgeholfen beim Aufbau haben auch Schüler der Hölderlin-Realschule, die sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

Schon als sich im Februar Zeitzeugen in Lauffen mit den Ausstellungsmachern der Stuttgarter Künstlergruppe Soup, getroffen haben, haben die Schüler viel von der Zeit erfahren, als auf den Feldern zwischen Lauffen, Nordheim und Hausen während des Zweiten Weltkriegs eine Attrappe des Stuttgarter Hauptbahnhofs und seiner Umgebung aufgebaut war, um die Bomber der Alliierten zu täuschen. Diese Anlage wird jetzt verkleinert nachgebaut und künstlerisch umrahmt im Museum zu sehen sein.

Zeitzeugen "Uns geht es bei diesem Projekt auch darum, eine Verbindung zwischen den Generationen zu schaffen", betont Soup-Mitglied Marc-Steffen Bremer. Die Neuntklässler haben individuelle Gespräche mit den Zeitzeugen geführt, haben Fragebögen erstellt und ausgewertet. Emelie Eckert und Tamara Gall sind erstaunt, "dass die Kinder und Jugendlichen es irgendwie doch in ihrer verzweifelten Lage geschafft haben, sich eine kindliche Fantasiewelt aufzubauen und mit den geringsten Mitteln gespielt haben". Beim Ausstellungsaufbau, beim Sägen mit der japanischen Säge, beim Bohren, Schmirgeln, Anpassen, Stoff spannen und malen erzählen die Schülerinnen von ihrer Beschäftigung mit der Zeit und "den Erzählungen davon aus verschiedenen Blickwinkeln". Das Interesse an der freiwilligen Arbeitsgruppe, initiiert von Kunstlehrerin Brigitte Friebel, hat stetig zugenommen.

Interessant war für die Jugendlichen, etwas über die Geschichte ihres Ortes zu erfahren, "vorher wussten wir gar nicht, dass es so etwas wie eine Scheinanlage gab", berichtet Tamara Gall, aber auch die Kindheitserzählungen aus einer für sie fernen Zeit haben sie beeindruckt, "ich fand es toll, wie die Menschen in den schlimmen Kriegszeiten zusammengehalten haben", meint Emelie.

Aktion Sogar eine Liebesgeschichte haben sie bei ihren Fragebogenaktionen entdeckt, "zwei haben sich gefunden, weil dem jungen Mann die Hose kaputtgegangen war und ein nettes Mädchen Nähzeug dabei hatte. So hat eine Liebe angefangen". Dass die Schüler sehen, wie sich so ein Ausstellungsprojekt aus vielen Facetten über die Zeit entwickelt, das wollten die Macher aus Stuttgart ihren jungen Mitarbeitern vermitteln. Marc-Steffen Bremer erläutert, "die Schüler sollen merken, dass nicht nur ein schönes Bild Kunst sein kann, sondern dass sie auch darin besteht, Leben zu erforschen und darzustellen".

Die Ausstellung "Die Schein-anlage Brasilien − Bomber über Lauffen" wird am Sonntag, 15. Mai, 11 Uhr, im Klosterhof eröffnet. Sie ist bis 25. Juni Samstag/ Sonntag, 14 bis 17 Uhr, und nach Vereinbarung geöffnet.