Navigator im Info-Dschungel

Umgebaute Bücherei bietet Vielfalt für Leseratten − Einweihung

Von Rolf Muth

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Am räumlich etwas abgetrennten Internetplatz stehen zwei Rechner zur Verfügung. Vom Umbau begeistert sind (von links) Regina Gobert, Bürgermeister Mario Dürr und Eva Lürkens.Fotos: Rolf Muth

Neckarwestheim - Die Fenster sind abgeklebt. Die Türen verschlossen. Nur auf Klopfzeichen wird geöffnet und genau die Person gemustert, die Einlass begehrt. Geheime Kommandosache in der Neckarwestheimer Bücherei. Die in den vergangenen acht Monaten umgebauten Räume sind nicht wiederzuerkennen. In einer Woche wird Einweihung gefeiert. Die Büchereileiterinnen Eva Lürkens und Regina Gobert wollen die Bürger so lange noch auf die Folter spannen.

Verwandlung Erst wenn Bürgermeister Mario Dürr am Samstag, 27. März, die Folie von der Eingangstür zieht, werden die großen und kleinen Leseratten sowie die geladenen Gäste sehen, wie sich die seit 18 Jahren als Bücherei genutzten Räume im Erdgeschoss des Rathauses verwandelt haben. Ein Teil des früheren Polizeipostens wurde der alten Bücherei zugeschlagen. Jetzt ist sie um über 40 Quadratmeter auf rund 190 Quadratmeter gewachsen.

Die alten Regale? Verschwunden. Der Teppichboden? Herausgerissen und durch strapazierfähigen, dunklen Eichenparkett ersetzt. Der offene Raum ist weiß möbliert, strahlt hell. Lädt ein zum stundenlangen Schmökern. Eine sonnige Terrasse lockt zum Outdoor-Studium einer der 30 Fachzeitschriften bei einer Tasse Kaffee.

Die Regale sind bereits zu 90 Prozent mit den vorhandenen Beständen bestückt. Die sechs Mitarbeiterinnen, die sich zwei Stellen teilen, waren fleißig und haben viele Überstunden gemacht. Der Umzug aus dem Provisorium Ratssaal zurück in die neuen Räume gegenüber liegt voll im Zeitplan. Insgesamt müssen 11 000 Medien − Bücher, DVDs, Zeitschriften, Lernprogramme − eingeräumt werden. Eva Lürkens: "Wir schaffen für unsere Besucher eine übersichtliche Struktur und Ordnung."

Zufrieden lehnt sich Mario Dürr zurück. Die Arbeiten sind (nahezu) reibungslos gelaufen. Ein gekapptes Rohr und in der Folge ein ärgerlicher Wasserschaden, durchtrennte Stromleitungen. Dürr nimmt"s gelassen: "So was passiert beim Bauen im Bestand." Die Kosten klettern von rund 360 000 auf 420 000 Euro. Die Mehrausgaben sind vor allem einer sehr gut ausgestatteten EDV zugute gekommen.

Dreh- und Angelpunkt ist die quadratisch angeordnete Informations- und Ausgabetheke mitten im Raum. Auf der einen Seite die fünf Rollregale, die bei Bedarf von 18 auf sechs laufende Meter zusammengeschoben werden können. Damit entsteht Platz für etwa 40 Besucher, die einer Lesung lauschen. Gegenüber die Kinderecke mit Lesestoff für Mama, Papa und Kind. Hier könne auch ganze Grundschulklassen gemeinsam schmökern. Auf der dritten Seite: zwei neue Internetplätze, die kostenlos zur Verfügung gestellt werden. "Auf die gebührenfreie Nutzung hat unser Gemeinderat Wert gelegt", sagt der Bürgermeister. Die Bücherei soll sich schließlich zum Info- und Lernzentrum weiter entwickeln. Vis-à-vis ein weiterer PC-Arbeitsplatz mit Scanner und Kopierer für die konzentrierte Recherche. Hier kann man sein Referat für Schule und Studium schreiben oder die Bewerbung für den Ausbildungsplatz formulieren.

Hilfestellung Und mitten drin, in diesem quadratischen Kommandostand, die Mitarbeiterinnen der Bücherei − quasi als Navigatoren im Informationsdschungel. Sie helfen, wenn der Besucher trotz neuem Farbleitsystem und durch Magnettafeln gut strukturierte Bestände dennoch Hilfestellung braucht.

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Mehrere Hörplätze laden Jung und Alt zum Lauschen ein
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Auch Mitarbeiterin Monika Gehrig hat alle Hände voll zu tun.