Literatur auf sonniger Terrasse

Neckarwestheim - Umbau der Bücherei bringt viele Annehmlichkeiten für Leseratten im Ort

Von Rolf Muth

Literatur auf sonniger Terrasse
Eva Lürkens (links) berät Dagmar Claus und deren Sohn Max, die regelmäßig in den Sitzungssaal des Rathauses kommen. Dort befindet sich derzeit das Provisorium mit dem gesamten Medienbestand.Fotos: Rolf Muth

Neckarwestheim - Mit einer dicken Staubschicht sind die Fenster der Neckarwestheimer Bücherei überzogen. Keine Sorge: Der Kommune ist nicht das Geld für die Putzfrau ausgegangen. Vielmehr wird hier im Untergeschoss des Rathauses kräftig gewerkelt. Die Bauarbeiter haben die kompletten Räume bis auf die tragenden Teile entkernt, den Fußbodenbelag samt Estrich bis auf den Beton herausgerissen.

Die Bücherei wird vergrößert und deutlich aufgewertet. Vor dem Glanz kommt wie bei allen Umbauten natürlich der Schmutz. Immer wieder bleiben interessierte Kinder und Erwachsene auf dem Rathausplatz stehen, um einen Blick ins Innere zu werfen, während das an den Nerven zehrende Geratter des Bohrhammers nach außen dringt.

Belastung

Auch die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung müssen diese Zeit und alle Belastungen, die damit zusammenhängen, durchstehen. „Bald haben wir's geschafft“, sagt Bürgermeister Mario Dürr seufzend. Die Rohbauarbeiten sind demnächst fertiggestellt. „Wir liegen im Plan.“ Obwohl die Handwerker eine Wasserleitung erwischt haben. „Es gibt keine Baupläne“, schimpft der Bürgermeister. In Kürze geht der Innenausbau los. Dann wird's leiser. Im Dezember soll das Erdgeschoss in diesem Gebäudeteil umgebaut sein. Im Februar wird die Bücherei für die Leseratten wieder geöffnet werden. Solange herrscht das Provisorium im Ratssaal, wo die beiden Büchereileiterinnen Eva Lürkens und ihre Kollegin Regina Gobert die kleinen und großen Leseratten möglichst ohne Einschränkungen bedienen wollen. So wie Dagmar Claus und deren Sohn Max. Beide lieben die Bücherei, kommen regelmäßig auch ins Provisorium.

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Mauern wurden herausgerissen, um mehr Platz zu schaffen.Foto: privat

Mehr Platz

Mit der Auflösung des Polizeipostens vor fast zwei Jahren ist Platz frei geworden. So ist es möglich, die Einrichtung von derzeit 157 auf 190 Quadratmeter Nutzfläche zu erweitern. 385 000 Euro lässt sich die Kommune das verbesserte Angebot kosten. Neue Rollregale ermöglichen ein neues Raumkonzept. Sie lassen sich bei Bedarf von 18 auf sechs laufende Meter zusammenschieben. So gibt es Platz für bis zu 40 Besucher, die zum Beispiel einer Lesung lauschen wollen.

Das Büchereiteam hatte allein 2008 rund 30 Veranstaltungen für 900 Besucher organisiert. Mangels Platz oft außerhalb in anderen Einrichtungen der Kommune.

Literatur auf sonniger Terrasse
Immer aktuell: Regina Gobert ordnet die neuen Bestseller.
Wer in den Sommermonaten Literatur gerne im Freien genießen will, hat bald auch diese Möglichkeit in der Bücherei. Ein Wanddurchbruch ermöglicht den Zugang zum künftigen Terrassencafé. „Die Leser sollen sich wohl fühlen“, sagt Eva Lürkens. Durch die umgebaute Bücherei soll ein Ort mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen. „Die Lust am Lesen und Entdecken soll geweckt werden.“ Die Investition haben die Bürgervertreter gerne genehmigt: „Die Bücherei und die Leiterinnen mit ihrer sehr guten Arbeit haben im Gemeinderat und in der Bevölkerung einen Riesenrückhalt“, lobt der Bürgermeister. Das hören Eva Lürkens und Regina Gobert natürlich gerne. Zwei Jahre lang haben die beiden Frauen am neuen Konzept gefeilt.

Orientierung: Die Aufteilung der Bestandsbereiche soll übersichtlich aufgebaut sein, um die Orientierung im Raum zu erleichtern. Ein Leitsystem wird erstellt, damit sich die Nutzer vom Kind bis zum Senior schneller zurechtfinden.

Zentral: Da die vorhandene Räumlichkeiten beibehalten werden, stellt die Bücherei weiterhin den zentralen „Frequenzbringer“ für den Marktplatz dar. Zentral wird sich auch im Inneren die Theke in der Mitte des Raums finden.

Konzept: Das überarbeitete Bibliothekskonzept von Eva Lürkens und Regina Gobert soll auf die individuellen Gegebenheiten der Bevölkerung zugeschnitten sein. Es soll zukunftsorientiert die neuen Entwicklungen in der Medienlandschaft mit einbeziehen.