In Reifrock und Fischbeinmieder

Historische Gesellschaft kramte im Fundus und präsentierte eine außergewöhnliche Modenschau

Von unserer Mitarbeiterin Birgit Riecker

In Reifrock und Fischbeinmieder
Vielfalt der Stoffe und Schnitte: Zu einem Menuett zeigten sechs Paare die Barockmode, die am Hofe getragen wurde.Foto: Birgit Riecker

BÖnnigheim - Sich selbst erhöhen mussten schon die vornehmen Menschen im 13. Jahrhundert: Sie schoren sich den Haaransatz, um eine hohe Stirn zu bekommen und setzten dann auch noch extrem lange, hohe Hüte auf. "Und je höher die Stellung und das Ansehen, desto länger durften die Schleppen und Schuhe sein", erläuterte Kurt Sartorius. Der Vorsitzende der Historischen Gesellschaft kommentierte in der Turn- und Festhalle Bönnigheim eine historische Modenschau.

Auf großem Fuß "Die Schuhe eines Fürsten hatten eine Schuhlänge vom zweieinhalbfachen der Fußlänge." Wie die Kleidung der Gotik − spitze, lange Formen − getragen wurde, zeigten zum Auftakt sechs Paare, die sich zu einem Menuett inmitten der rund 180 Besucher bewegten. Im 17. Jahrhundert wurde die höfische Mode immer aufwendiger und kostbarer. Auch das konnte die Historische Gesellschaft zeigen. Denn in ihrem Fundus befinden sich nicht nur die Schätze der Bönnigheimer, die sie aus Abrisshäusern gerettet haben, sondern auch eine Kostümauswahl, die die Mitglieder bei der Schließung eines Theaters ergattert haben.

Geschick im Nähen haben Gerlinde Schmälzle und Antje Diener, die in der Vorbereitung für die Modenschau manche Garnrolle verbrauchten. So tanzten nun die Paare elegant in Reifröcken und Fischbeinmieder, in glänzenden Jacken und Pluderhosen zu Mozarts "Kleiner Nachtmusik". Alle waren dabei gut bedeckt mit Puder und Perücke, wie es die damalige Mode forderte. Bis ins kleinste Detail hatten die "Tänzer" die Szenen vorbereitet. Und so kamen die Sportlichen unter ihnen bei der "Liechtensteiner Polka" voll auf ihre Kosten und transportierten so die Lebensfreude, die den Anfang des 20. Jahrhunderts charakterisierte. "Doch ohne Hut und Zylinder ging man nicht aus dem Haus", erklärte Kurt Sartorius.

Und unter dem dunklen, steifen Sonntagsstaat, was trugen die Damen? Ein Schnürmieder. Wie das angelegt wurde, zeigten die Models unter viel Gelächter.

Metallspende Mit Nachtmode und Untermode traten sie zum Cancan an und bekamen viel Beifall. Weiter dargestellt wurde die Metallspende, die der Kaiser im Ersten Weltkrieg für die benötigten Waffen forderte. Die Not nach dem Zweiten Weltkrieg machte auch vor der Kleidung nicht Halt: Fallschirmseide, Hakenkreuzfahne, Vorhänge und Bettwäsche wurden zur Oberbekleidung umgearbeitet. Als die Wirtschaft wieder in Schwung kam, wurde die erste Konfektionsware angeboten.