Biber fällen acht Obstbäume

Neudenau  Direkt neben der Jagst haben Biber auf einem Grundstück bei Herbolzheim acht Obstbäume gefällt. Fachgerecht, nach echter Biber-Manier mit der typischen, einer Sanduhr ähnelnden Fällkerbe und in bequemer Nagehöhe über dem Boden. Das Tier wird an dem Fluss immer heimischer.

Von Rudolf Landauer

Biber fällen acht Obstbäume
Ganze Arbeit leisteten Biber an der Jagst. Auf typische Weise nagten sie Obstbäume mit einer Sanduhr-Kerbe an und legten sie flach. Foto: Rudolf Landauer

Gourmets scheinen die Biber zu sein. Holz und Rinde der Obstbäume schmecken dem breitschwanzigen Holzfäller offenbar besonders gut. Die Obstbäume stehen nämlich nicht solitär, ringsum stehen tausende Bäume und Büsche entlang der Jagst.

Der europäische Biber, Castor fiber, so sein zoologischer Name, wählte auf seinen nächtlichen Zügen die Obstbäume aus. Im Januar fiel einem Angler eine erste Kerbe in einem Obstbaum auf dem Grundstück auf, als er in der Frühe die Angel auswarf. Einige Zeit später wurde sein Anfangsverdacht bestätigt: Biber hatten den ersten Baum komplett und fachgerecht gefällt. "In Abständen tauchten die Holzfäller auf und knabberten die Rinde weg.

Späne

Die Spuren ihrer messerscharfen und granitharten Schneidezähne sind deutlich im hellen Holz zu erkennen, am Boden liegen Späne − Zeugen der sorgfältigen Holzfällertätigkeit der Biber. Flussaufwärts hat Gewässerwart Willi Ebel in Siglingen den Biber schon vor zwei Jahren bestätigen können. Dort fällten Biber allerdings keine Nutzbäume, sondern junge Weiden, Eschen und Erlen. Sind die Biber wohl auf den Geschmack gekommen?

Biber fällen acht Obstbäume

Die Frage ist erlaubt. Dem Biber unterstellt man recht pauschal, er würde die Bäume zum Bau von Staudämmen und den sogenannten Biber- oder Knüppelburgen fällen. Das trifft sicher auf Gewässer zu, die wenig Wasser führen und wo Biber den Wasserspiegel durch Dammbauten erhöhen. An der Jagst kann sich der Biber diese Arbeit sparen, die führt ständig Wasser. Der Nager legt sein Wohnheim an der Jagst in den Böschungen des Flusses an, mit getarnten Einstiegen unter der Wasserlinie und mit einem Anstieg über den Wasserspiegel. Würden Biber keine Bäume fällen, würde seine Anwesenheit von den Menschen nahezu unbemerkt bleiben. Bleibt als Grund für die aufwendige Fällaktion der Gourmet Biber übrig.

Nahrung

Tierforscher haben herausgefunden, dass die Rinde und das nährstoffreiche Kambium darunter von ausgewählten Bäumen dem Biber in den Wintermonaten ein wichtige Nahrung sind. Biber können über ihre spezielle Verdauung die verwertbaren Stoffe des Holzes selektieren und verwerten. Von April bis Oktober braucht er das nicht, dann ernährt er sich von Gräsern, Kräutern, Sträuchern, Schilf und verschmäht auch Löwenzahn, Brennnessel und Mais nicht.

Biber sind Vegetarier. Sie haben vier Schneidezähne die nicht weiß, sondern orangefarben sind. Damit können sie in einer Nacht einen Baum mit 40 Zentimeter Durchmesser fällen. Naturschutzbehörden registrieren die Aktivitäten des vor Jahren fast ausgestorbenen Tieres aufmerksam und haben ein landesweites Managementprogramm ausgearbeitet. Bei Nutzholzarten in Gewässernähe hindert etwa eine Baummanschette den Biber vor Fällungen, empfiehlt Dr. Michael Waizmann von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz.