Slowenien & Friaul

    Von Kilian Krauth

    1991 feierte Slowenien die Loslösung von Jugoslawien, 2004 die „Rückkehr“ nach Europa: mit eigenem Sekt und Wein. Reben wachsen zwischen den Flüssen Drava, Sava und Vipava seit über 3000 Jahren. Heute ist der Bestand in den Regionen Primorska, Posavje und Podravje auf 24 000 Hektar geschrumpft. Die Ausbeute von rund einer Million Hektoliter pro Jahr trinkt das strebsame Zwei-Millionen-Volk fast selbst: pro Kopf 40 Liter im Jahr. Die Geschmacksprofile bewegen sich vom österreichisch anmutenen Weißen bis zum italienisch gefärbten Roten. Mit den meist säurebetonten Tropfen besitzt Slowenien ein klares Regionalprofil. Der Importdruck zwingt die 19 000 Winzer zur Marketingoffensive. Mit Finanzspritzen der EU ist ein bäuerlichen Weintourismus im Aufbau: zwischen Alpen-Ausläufern, panonischem Flachland und Mittelmeer finden sich nicht weniger als 20 Weinstraßen. 50 Leser machten auf der 6. Wein-Selection-Leserreise der Heilbronner Stimme viele Entdeckungen. Abgerundet wurde die vom Reiseservice Anton (Weinsberg) organisierte und von „Weindoktor“ Gerhard Götz geführte Wein-Kultur-Tour mit einem Abstecher in die italienischen Nachbarregion Friaul.

    Ein Hauch von K. u. K.

    In Maribor wurzelt die Weinkultur tief: ein 400 Jahre alter Rebstock trägt heute noch Trauben. 1872 hat der Habsburger-Spross Erzherzog Johann hier ein Landwirtschaftliches Institut gegründet. Die Beraterdienste von Magisterin Doroteja OzimiÝc werden auch von mitgereisten Wengertern geschätzt. Die erste von einem Dutzend Probenstationen führt nach Jerusalem-Ormoz.

     

    -Bildergalerie

     

    Im 12. Jahrhundert blieben Kreuzritter hier am Rebensaft hängen. Mit dem Trinkspruch „c‘est bon!“ mutierte die Sorte Furmint zum Nationalgetränk „ÝSipon“. Gewölbekeller stehen bis heute hoch im Kurs: in der Großkellerei Vinska-Klett, im Familienweingut Puclavec, im Vorzeige-Betrieb des ehemaligen Landwirtschaftsministers Joze Protner. Sie bieten säurebetonte Heimatweine, die dem deftigen Buschenschank-Essen Paroli bieten. Die sanften Weinhügel des Top-Winzers Aloiz Valdhuber grenzen in 410 Meter Höhe direkt an Österreich. Hier hat man Visionen: „Steiermärker Wein“ als überstaatliche Regionalmarke mitten im neuen Alten Europa.

    Sieben Wein- und Kulturtage

    Ein waschechter K.-u.-K-Verschnitt ist der schnauzbärtige Führer Adolf Drame. Mit Studentin Andreja führt er die Reize Ljubljanas vor Augen und stellt die 240 000 Einwohner zählende Hauptstadt architektonisch in eine Reihe mit Prag, Budapest, Wien, Triest. Der Regen geht nahtlos über in die 20 Kilometer lange Tropfsteinhöhle von Postojna. Bevor tags darauf die Sonne über Lipica und frisch gewaschene Lipizzaner-Pferde mediterranes Flair versprühen, erinnern in der Bauernkapelle Hrastovlje Fresken von 1480 an die Vergänglichkeit alles Irdischen.

    Lebensverlängernd wirkt angeblich der aus der Sorte Refosco gewonnene rote Nationaltropfen „Teran“. Die eisenhaltige rote Erde „Terra Rossa“ des Karstgebietes verleiht dem „Sauerampfer“, so ein Stimme-Leser, eine markante mineralische Note. Zum Regionalmenü der Familie Skerlj (Tomaj) passt er perfekt. Im Barrique reifen lassen hat ihn die Genossenschaft Vinakras in Sezana, eine Art Dinosaurier aus Titos Tagen. Primos (45) und Marica (43) Stoka demonstrieren derweil auf ihrem aus dem Boden gestampften Gut was kluge Heiratspolitik, EU-Gelder, Fleiß und guter Wein alles vermögen. Im Örtchen Komen erntet Slow-Food-Mitglied Branko Cotar Lorbeeren. Er denkt die Terroir-Philosophie mit traditionellen Ausbaumethoden zu Ende.

    Abstecher nach Friaul

    Über das mittelalterliche Städtchen Stanjel findet der Weinexpress mit dem von Gerhard Kircher gesteuerten Zügel-Bus durch Alt- und Neu-Gorica über die Grenze nach Italien. Führer Bernardo Ivancich weiß nicht nur in Cividale del Friuli wo’s lang geht. Ein Spannungsbogen zieht sich vom Park des Landgutes Spessa mit Villa Rubini über moderne Skulpturen und venezianische Baukunst bis hin zum Wein.

    Geheimtipp ist der „Schioppettino“. Rund um Udine blüht in einer von Gott gesegneten Rebenlandschaft auf 18 000 Hektar Wein. In der Prosciutterie San Daniele hängt der Himmel voller, von der Bergluft getrockneter, Schinken. In der Azienda Agricola Vigneti le Monde wähnen sich manche beim traumhaften Mittagsmahl im Paradies. Fünf Grappa-Proben gibt’s in der Distilleria Pagura. Auf dem Höhepunkt der Reise lädt auf Castellvecchio ein Stimme-Leser alle zum Cabernet. Diesen Abschiedstrunk kann das slowenischen Berg-Restaurant Hisa Franko (Kobarid) nicht toppen.




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