Jugendbande steht vor Gericht (12.02.2010)

    Von Adrian Hoffmann

    Jugendbande Tatort neben dem Neckarsulmer Jugendhaus: Hier sollen sich die fünf Angeklagten an einem 14-jährigen Mädchen vergangen haben. Foto: Archiv/Adrian Hoffmann


    Region Heilbronn - Der Vorwurf lautet sexuelle Nötigung in einem besonders schweren Fall, dazu kommt gefährliche Körperverletzung. Die Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht des Heilbronner Amtsgerichts gegen Mitglieder einer Neckarsulmer Jugendbande am heutigen Freitag erwarten viele mit Spannung. Die fünf Jugendlichen, die einer Gruppe angehören, die sich selbst als „Devil Türken“ bezeichnet, sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Aufruhr. Jetzt, hoffen manche, hat das ein Ende.

    Ohrfeige

    Weil die Angeklagten unter 18 Jahre alt sind, ist die Sitzung nicht öffentlich. Den drei 17-jährigen und zwei 16-jährigen Jugendlichen wird vorgeworfen, sich am 12. Oktober 2009 zwischen 19 und 22 Uhr neben dem Neckarsulmer Jugendhaus (Container) an einem 14-jährigen Mädchen vergangen zu haben.

    So hätten sie die Teenagerin in eine dunkle Ecke gelockt, um mit ihr gegen ihren Willen Geschlechtsverkehr zu vollziehen – notfalls gewaltsam. Anschließend sollen sie ihrem Opfer, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, zur Einschüchterung eine kräftige Ohrfeige und einen wuchtigen Fußtritt gegeben haben. Drei der Angeklagten hätten die 14-Jährige mit Billigung der Mitangeklagten, die das Geschehen amüsiert aus nächster Nähe betrachtet hätten, gewaltsam geküsst und in ihren Intimbereich gegriffen. Hilfswillige Personen seien mit Stößen davon abgehalten worden, einzuschreiten.

    Durch das energische Eingreifen eines Zeugen hätten die Jugendlichen schließlich von ihrem Vorhaben, das Mädchen gemeinsam zu vergewaltigen, abgelassen. Zur Verhandlung sind zwölf Zeugen geladen, darunter einer Mitarbeiterin der Mobilen Jugendarbeit.

    Aussteiger

    In Neckarsulm hatte der Vorfall für viel Aufregung gesorgt. Die Polizei achtete bereits einige Zeit zuvor verstärkt auf die Gruppierung, da aus ihrem Kreis heraus immer wieder Straftaten bekannt wurden.

    Oberbürgermeister Joachim Scholz sagte wenige Tage nach dem Vorfall im Gespräch mit der Heilbronner Stimme: „Diesmal ist es nicht getan mit ein paar Arbeitsstunden. Hier muss eine gewisse Abschreckung eintreten.“ Vertreter der Stadt suchten in der Folge Kontakt mit Mitgliedern der türkischen Gemeinde, Jugendarbeiter trafen sich mit den Eltern der in Untersuchungshaft sitzenden Jugendlichen. Wie kann man die Situation gemeinsam in den Griff bekommen, das war und ist die große Frage.

    „Die wenigen Mitglieder der Jugendgruppe, die noch nicht zur Abkehr von ihrer Vergangenheit bereit sind, werden weiterhin gezielt von Streetworkern aufgesucht“, sagt Neckarsulms Stadtsprecher Andreas Bracht. Es sei inzwischen gelungen, „die Clique der Devil Türken aufzubrechen und ehemalige Sympathisanten zur Mitarbeit im Container der Mobilen Jugendarbeit zu gewinnen“. Ein Freund der Angeklagten, der am Dienstag zum Jugendhaus kam, gibt einen Tipp für das Urteil ab: „Die kommen raus auf Bewährung.“



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