„Das ist der krönende Abschluss meiner Karriere“

    Von Andreas Eberle

    Die-Leser haben entschieden: Claudia Wieland, Andreas Wolf und Contract Release sind die Sportler des Jahres 2006

    „Das ist der krönende Abschluss meiner Karriere“
    Eine Augenweide auf dem Kunstrad: Claudia Wieland und José Arellano.

    Sportlerwahl - Andreas Wolf ballte beide Hände zu Fäusten, Claudia Wieland strahlte, die Jazztänzerinnen von Contract Release jauchzten - jeder der drei Gewinner bei der Hohenloher Sportlerwahl genoss seinen Triumph anders. 1088 Leser der Hohenloher Zeitung hatten sich im Vorfeld an der Abstimmung zum Hohenloher Sportler, zur Sportlerin und zur Mannschaft des Jahres 2006 beteiligt. Beim 40. Ball des Sports in der Öhringer Kultura verkündete der Sportkreis-Chef Erich-Hans Dietz am Samstag das bis dahin streng gehütete Geheimnis.

    Bei den Frauen war die Wahl eine klare Sache: Mit 46 Prozent der Stimmen landete die Kunstradfahrerin Claudia Wieland auf dem ersten Platz. „Das ist der krönende Abschluss meiner Karriere“, sagte die 22-jährige Studentin aus Pfedelbach-Gleichen, die Ende November 2006 nach ihrem zweiten Rang bei der Weltmeisterschaft ihre Laufbahn beendet hatte. Für Wieland war es die fünfte Auszeichnung zur Hohenloher Sportlerin des Jahres. Ebenfalls schon zum fünften Mal setzten sich die Öhringer Jazztänzerinnen von Contract Release in der Mannschaftswertung durch.

    „Das ist der krönende Abschluss meiner Karriere“
    Cha-Cha-Cha, Discofox, Walzer: Auf der Tanzfläche ging es beim 40. Ball des Sports in der Öhringer Kultura rund.

    Fotos: Dietmar Dirks

    Knapp und überraschend war das Ergebnis bei den Männern: Mit nur 18 Stimmen Vorsprung setzte sich der Slalomfahrer Andreas Wolf vom HMC Öhringen vor dem Weißbacher Mountainbiker Oliver Frei durch. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Jetzt werden wir noch das eine oder andere Glas Sekt trinken“, erklärte der 19-jährige Wolf, der bei seiner ersten Nominierung gleich den ersten Platz einheimste.

    Viel Applaus So vielfältig wie die vertretenen Sportarten war auch das Rahmenprogramm. Zwei Akrobaten aus der Partnerstadt Riesa zeigten ebenso ihr Können wie eine Ballerina und eine Seiltänzerin auf Rollschuhen vom RV Öhringen und die Ropeskipper vom TSV Künzelsau. Ein Höhepunkt war der Auftritt von Contract Release. Die Gruppe führte zu südamerikanischen Rhythmen zum ersten Mal den neuen Tanz „Zorro“ vor, eine künstlerisch umgesetzte Verfolgungsjagd. „Auf den Auftritt haben wir uns fast mehr gefreut als auf die Ehrung. Die Frage - wie kommt er an? - ist immer wieder spannend“, erklärte die Trainerin Claudia Dohl. Und der neue Tanz kam gut an, wie der Applaus nach der Premiere belegt.

    Mindestens genauso laut war der Beifall für die Darbietung von Claudia Wieland und José Arellano, die das Publikum mit ihrer Kunstrad-Show nach Japan entführten. Der in einem Samurai-Kostüm gekleidete Arellano und seine Geisha Wieland beeindruckten einmal mehr mit ihren Kunststücken. Zwischen den Darbietungen und Ehrungen kamen auch die Tanzfreudigen unter den Besuchern auf ihre Kosten. Zu den Klängen der Band Skylights gab es Gelegenheit, sich beim Cha-Cha-Cha, Discofox oder Walzer zu versuchen.

    Ansturm Noch nie ist die Nachfrage nach Eintrittskarten so gewaltig gewesen wie diesmal. Zeitweise seien 60, 70 Leute auf der Warteliste gestanden, erzählt Erich-Hans Dietz. Letztlich fanden 540 Besucher in der Kultura Platz - aber nur, weil im hinteren Saalbereich besonders eng bestuhlt worden war. „Damit ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Eine noch größere Veranstaltung wäre ehrenamtlich nicht mehr zu bewältigen“, sagte Dietz, der in seiner Begrüßung scherzhaft einen Ausbau der Kultura anmahnte. Der Hausherr, Öhringens Oberbürgermeister Jochen K. Kübler, hatte eine andere Idee, wie man im Saal mehr Platz schaffen könnte: „Die Kapelle muss nur leisere Töne spielen, dann würden die Paare beim Tanzen enger zusammenrücken.“

    Unterstützung In Vollbesetzung erschien das Fußballteam des FV Künzelsau, um seinen bei den Männern nominierten Top-Torjäger Falk Jahn zu unterstützen. „Wenn ein Spieler von uns geehrt wird, sind wir alle da“, sagte Hans-Peter Frank, der 1. Vorsitzende. Die Künzelsauer waren bester Laune, nicht nur weil am Nachbartisch - und damit in Flirtnähe - die attraktiven Tänzerinnen von Contract Release saßen. Schließlich hatten die Kochertäler am Nachmittag mit dem 3:0-Sieg bei der TSG Öhringen einen großen Schritt in Richtung Bezirksliga-Meisterschaft getan. „Vielleicht werden wir bei der nächsten Sportlerwahl ja auch bei den Mannschaften ausgezeichnet“, sagte Frank. Dann sollten die Künzelsauer ihre Fans und Mitglieder allerdings besser mobilisieren. Falk Jahn jedenfalls landete mit nur 13 Prozent der Stimmen abgeschlagen auf dem fünften und letzten Platz.

    Die Seriensieger
    Gelungene Premiere: Contract Release, die Hohenloher Mannschaft des Jahres 2006, zeigte beim Ball des Sports den brandneuen Wettkampftanz „Zorro“.

    Die Seriensieger

    Mannschaften Das größte Lob kam von der obersten Hohenloher Sportstelle. „Ich bin mir sicher, die Gruppe wäre mit diesen Leistungen auch Weltmeister, wenn es im Jazztanz Weltmeisterschaften geben würde“, sagte der Sportkreis-Vorsitzende Erich-Hans Dietz über die Frauen von Contract Release, die am Samstag schon zum fünften Mal zur Mannschaft des Jahres gekürt worden sind. Seit 1995 verkörpern die Tänzerinnen der TSG Öhringen Spitzenklasse. In den vergangenen zwölf Jahren haben sie sieben Mal die deutsche Meisterschaft gewonnen. Damit sind die Schützlinge von Claudia Dohl die erfolgreichste Gruppe im Deutschen Turnerbund.

    Die Erfolgsgeschichte begann 1985, als die damals 18-jährige Dohl, genervt von den vielen Trainerwechseln, die Gymnastikgruppe der TSG Öhringen übernahm und Contract Release gründete. „Ich mache weiter, so lange es Spaß macht“, versprach die Vortänzerin - und erfreut damit sicher nicht nur den Sportkreis.

    Die Sympathieträgerin
    Jan Philippiak von der Heinz-Ziehl-Stiftung gratuliert der Kunstradfahrerin Claudia Wieland zu ihrem fünften Sieg bei einer Hohenloher Sportlerwahl.

    Die Sympathieträgerin

    Frauen Wenn der Hohenlohekreis einen Werbefilm über die Region drehen würde, dann wäre Claudia Wieland die perfekte Besetzung für die Hauptrolle. Die Pfedelbacherin ist in den vergangenen Jahren ein Aushängeschild geworden. Im Kunstradfahren hat sie alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Zweimal holte Wieland den WM-Titel, viermal wurde sie deutsche Meisterin, fünf Mal wählten sie die HZ-Leser zu ihrer Sportlerin des Jahres.

    Trotz der Erfolge hat die 22-jährige Studentin Ende November 2006 ihre Laufbahn beendet - in einem Alter, in dem für viele Leistungssportler die Karriere erst richtig losgeht. „Es ist schwer, Kunstradfahren und Studium miteinander zu vereinbaren. Wenn ich etwas mache, dann richtig“, begründete Claudia Wieland damals ihren Schritt. Immerhin: Bei Showauftritten an der Seite von José Arellano ist sie auch künftig zu sehen. Selbst das Thema Wettkämpfe ist noch nicht ganz erledigt: Wieland liebäugelt damit, für ihren Verein RV Öhringen beim European Team Cup noch einmal aufs Kunstrad zu steigen. ae

    Die Überraschung
    Der Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten zeichnet den Slalomfahrer Andreas Wolf aus und überreicht ihm einen Gutschein für einen viertägigen Berlin-Trip.

    Die Überraschung

    Männer Als Christian von Stetten in seiner Laudatio die Erfolge von Andreas Wolf vorlas, ging ihm fast die Puste aus. Der Slalomfahrer aus Pfedelbach-Heuberg heimste 2006 so viele Titel ein wie kaum ein anderer Motorsportler in der Region, darunter die deutsche Junioren-Meisterschaft im ADAC-Slalom-Supercup. Der Lohn: Die HZ-Leser wählten ihn überraschend zum Sportler des Jahres 2006. „Die Ehrung sehe ich als Anerkennung für meine Leistungen. Sie ist für mich ein Ansporn, die Erfolge noch einmal zu wiederholen oder gar zu steigern“, erklärte der 19-Jährige nach der Proklamation.

    Mit zehn hatte sich Wolf zum ersten Mal in einen Kart gesetzt, im Rahmen des Kinderferienprogramms der Stadt Öhringen. Sofort fing er damals Feuer. Seine Motivation, Motorsport zu betreiben, führt er auf die Erfolge seines Vorbilds Michael Schumacher zurück. Wie der Formel-1-Star ist auch der Hohenloher sehr ehrgeizig. „Mein nächstes Ziel ist der Einstieg in den Rallyesport“, sagt er. ae

     
    19.03.2007

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